Stil(vol)les Gedenken im Tennengau

Zu Allerheiligen und Allerseelen am 1. und 2. November pilgern tausende Salzburger auf die Friedhöfe und schmücken Tage zuvor ihre Gräber. Es sind besondere Herbsttage zum Innehalten und Gedenktage an die lieben Verstorbenen und Heiligen. Viele nehmen diese Zeit zum Anlass die Gräber mit besonderen Gestecken und Pflanzen zu schmücken.

Aber warum ist das so? Ich habe mir Hilfe bei meiner Godn (Patenkind) Christina Egger  geholt. In dem neuen Blumenladen ihrer Familie „Blumen Egger“ in Hallein, wird seit Tagen alles für Allerheiligen in liebevoller Handarbeit vorbereitet. Und ich konnte sehen, welche Unterschiede es hier gibt. Dabei habe ich ihr auch das frischgebackene „Allerheiligenstuck“ vorbei gebracht. Aber nun der Reihe nach – welche Feiertage, was für ein Gräberschmuck und was ist ein Striezel?

1. Allerheiligen und Allerseelen: 2 Tage – ein Feiertag

Allerheiligen und Allerseelen im Tennengau
Grab

Allerheiligen am 1. November ist ein christliches Fest, wo an alle Heiligen, Bekenner und Märtyrer gedacht wird. Da die steigende Zahl der Heiligen dazumal es unmöglich gemacht hat, jeden einen Ehrentag zu widmen, wurden diese zusammengeschlossen. Vorerst am 1. Sonntag nach Pfingsten, seit dem 8. Jahrhundert jedoch am 1. November. Ich verbinde mit dem Allerheiligentag: Kirche gehen am Vormittag, Gräbersegnung am Nachmittag und danach das Allerheiligenstuck mit einer heißen Tasse Tee!

Am Allerseelentag am 2. November wird in der römisch-katholischen Kirche, an die Armen Seelen im Fegefeuer gedacht – an unsere lieben Verstorbenen. In der Bibel heißt es „…das Ewige Licht leuchte ihnen„, daher werden die Friedhofslicher auch als Zeichen der Auferstehung gesehen und besonders zahlreich angezündet. Da dieser Tag kein gesetzlicher Feiertag ist und man ihn so auch nicht mehr wirklich war nimmt, wird gemeinsam am Vortag an die Heiligen und Toten gedacht.

An diesen stillen Tagen wird nicht getanzt und laute Musik ist verboten. Dafür kann man sich seit einigen Jahren am Vorabend bei den zahlreichen „Halloween-Parties“ nochmals so richtig amüsieren. Nicht mein Ding, aber das ist eine andere Geschichte 🙂

2. Wie sieht ein Allerheiligen-Gesteck aus?

Allerheiligen und Allerseelen im Tennengau
Christina Egger mit Gesteck

Besonders gefragt sind in diesem Jahr natürliche Gestecke mit Islandmoos, Mohnkapseln, Rinde und Moos. Natürlich auch mit Tanne, Kiefer, Buchs und Trockensachen. Auch Birkenrinde, Holz und Jutestoff wird gerne integriert“, so Christina, die mit voller Stolz ihre selbstgemachten Gestecke zeigtIn dem liebevoll dekorierten Blumenladen habe ich verschiedene Arten entdeckt. Ich kenne eigentlich nur die klassischen Gestecke, die auch etwas höher werden können. Aber auch die Schüsseln, Vasen und Blumenkästen finden sicher einen geeigneten Platz am Grab.

Neben den klassischen Grabgesteck werden auch Grabvasen mit Schnittblumen wie Chrysanthemen, Nelken und etwas Grün gerne zu Allerheiligen gekauft„, erklärt mir Christina weiter. Was ich besonders interessant fand, sind die verschiedenen Formen und Bedeutungen, welche möglich sind. Das Besondere steckt halt im Detail. „Ein Kreuz steht für Frieden und Erlösung, ein Ring für Lebenszyklus sowie Auferstehung und ein Herz deutet auf die immerwährende Liebe und Verbundenheit hin.“ Was mir selber in den letzten Jahren aufgefallen ist, sind die vielen Engel in verschiedenen Größen, Schriftzüge auf Stein oder Metall und Kerzenleuchten in diversen Formen, Farben und Größen. Viele geben sich echt Mühe und dekorieren das Grab ihrer Liebsten mit sehr viel Details.

3. Allerheiligengebäck, ein süßer Brauch in Zopfform

Im Tennengau werden am 1. November auch traditionell ein Milchbrot – das Allerheiligenstuck oder auch Striezel genannt verschenkt. Die Tauf- und Firmpaten überreichen das Germgebäck den Patenkindern (meist mit ein wenig Taschengeld). Die Mädchen bekommen einen geraden Zopf und die Jungen ein geflochtenes Hörnchen. Aber warum gibt es diese Tradition überhaupt?

Der Brauch geht auf die antike Trauerkulturen zurück. Dort schnitten sich die trauernden Menschen die geflochteten Haare ab. Teilweise legten sie es sogar mit ins Grab des Verstorbenen. Im Mittelalter begann man mit dem verschenken des Allerheiligenstriezels als Spende an die Arme – stellvertretend für die „armen Seelen“.

Im Tennengau gibt es fabelhalfte Bäckereien, wie bei uns in Puch die Bäckerei Pföss. Tage zuvor freut man sich schon darauf, wenn man als Kind (oder der Sohn – die Tochter) ein Allerheiligenstuck bekommt. GenussTipp: Wer noch so richtig sündigen möchte, der schmiert sich auf das abgeschnittene Stück Milchbrot noch etwas Butter. Mmmmhhh einfach herrlich. Aber Geschmäcker sind verschieden. Die Striezel gibt es mit Zuckerguss, Zuckerstreußel oder Mandelsplitter und mit oder ohne Rosinen!

Seitdem ich denken kann, gehe ich Anfang November auf die Gräber um an unsere lieben Verstorbenen zu denken. Besonders beeindruckt mich jedes Jahr das Lichtermeer an diesen Tagen, wenn man durch Puch fährt und runter auf den Friedhof blickt. Es hat eine eigene, auch irgendwie eigenartige, aber doch schöne Stimmung – eben Allerheiligen. Natürlich gehört auch das „Allerheiligenstuck“ dazu. Früher als Kind freudig erwartet, schenke ich es jetzt selber als Pate gerne an meine Godenkinder weiter.

Mir war jahrelang nicht bewusst woher diese Traditionen stammen und habe selber wieder einiges dazu gelernt. Wie ist es bei Euch, habt ihr auch besondere Bräuche zu Allerheiligen? Ich wünsche Euch jedenfalls allen einen schönen Feiertag im Kreise Eurer Liebsten und viel Zeit zum Nichtstun.

Hier findet Ihr meine Allerheiligen-Tipps:

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Lackner, komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch beruflich als Mitarbeiterin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen.

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