In St. Martin wird mit Pfauenfedern gestickt

Es ist kurz nach 09:00 Uhr, als wir in St. Martin im Tennengebirge eintreffen. In der Federkielstickerei ist es ruhig, entspannt. Und dennoch kann man die Konzentration spüren, die in der Luft liegt. In der lichtdurchfluteten Werkstatt entstehen nunmehr seit 30 Jahren Unikate, die nicht nur die Salzburger begeistern, sondern ihren Weg sogar bis nach Asien finden. Tradition und echtes Handwerk wird schließlich überall auf der Welt geschätzt. Aber alles der Reihe nach.

Aus Spaß wurde Ernst und daraus wahre Kunst

Werner Grübl und Herbert Klieber ©federkiel.at
Werner Grübl und Herbert Klieber ©federkiel.at

Als Werner Grübl und Herbert Klieber vor 30 Jahren mit der Federkiel-Stickerei begannen, war es für sie eher ein Experiment als ein ernsthaftes Unternehmen. Beim gemütlichen Stammtisch mit Freunden aus dem Trachtenverein kam die Idee erstmals auf, und so begannen die beiden, sich näher mit der Kunst des Federkielstickens zu beschäftigen. Was als Hobby unter Freunden begann, wurde bald bekannt, und die erste und bisher einzige Federkiel-Stickerei Salzburgs war geboren. Heute sitzen drei Lehrlinge in der hellen Werkstatt und lassen sich nicht davon beirren, dass wir Fotos machen und neugierige Fragen stellen. „Wir hätten uns vor 30 Jahren nie gedacht, dass aus diesem schönen Hobby ein Beruf wird.“ so Herbert Klieber im Gespräch. Und weiter: „Heute geben wir unser Wissen an die nächste Generation weiter und freuen uns, dass die Kunst der Federkielstickerei erhalten bleibt.“

Sie lernen den Taschnerberuf und als Besonderheit die Kunst, wie man mit Pfauenfedern edle Lederstücke herstellt. Die Federkielstickerei selbst blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Sie ist schon 200 Jahre alt und hat sich bis heute kaum verändert.

Aus der Federkielstickerei kommt nur echte Handarbeit

Die längsten Federn des Pfaus werden gespalten und danach zu kunstvollen Ornamenten auf Rindsleder aufgebracht. Zwischen vier Wochen und zwei Monaten dauert die Arbeit an einem Stück – je nach Aufwand und Kundenwunsch. Denn von der schicken Trachtentasche über Gürtel bis zu den traditionellen Ranzen ist jedes Produkt ein Unikat und vom ersten bis zum letzten Schritt handgemacht. Jedes Muster wird neu gezeichnet und danach auf das Leder übertragen. Im nächsten Schritt wird Loch für Loch entlang des Musters gestochen und der Pfauenkiel durchgestickt.

Dadurch entsteht das charakteristische feine Muster, das aus den Salzburger Trachten nicht mehr wegzudenken ist. Zahlreiche Sportler und Prominente tragen die Ranzen der Salzburger Federkielstickerei, darunter Marcel Hirscher, Heinz Schilchegger oder Hermann Maier.

Salzburger Federkielstickerei | St. Martin am Tennengebirge
Herbert Kliebler

Der Ranzen: vom Geldgürtel zum Liebhaberstück

Ein Ranzen ist ein breiter Schmuckgürtel mit feinster Federkielstickerei, die über die Lederhose oder Stoffhose getragen wird. Wobei hier verschiedene Breiten möglich sind.“ erklärt uns Herbert Klieber. Wer sich in Salzburg der Volkskultur verbunden fühlt, wie manche Schuhplattler in den Volkstanzgruppen, trägt einen Ranzen über seine Lederhose. Früher hatte der Ranzen die Funktion eines Geldgürtels und zeigte schon mal den Stand des Großbauern. Umso aufwendiger die Federkielstickereien waren umso größer war natürlich auch der Hof! Bei der Salzburger Federkielstickerei werden nicht nur neue Ranzen nach Kundenwunsch erstellt, sondern auch alte Ranzen fachmännisch wieder restauriert.

Einen Blick in die Werkstatt in St. Martin werfen

30 Jahre Salzburger Federkielstickerei | St. Martin am Tennengebirge
30 Jahre Salzburger Federkielstickerei | St. Martin am Tennengebirge

Ihr wolltet Euch dieses Kunsthandwerk schon mal genauer ansehen? Dann kommt zum „Tag der offenen Werkstatttür (PDF)„. Das 30-jährige Jubiläum begehen die Salzburger Federkielsticker mit einem großen Fest unter dem Motto „Håndg’måcht“. Vom 23. bis 25. September gibt’s in St. Martin im Tennengebirge das Handwerk des Federkielstickens zu bewundern, eine große Trachtenbörse sowie den Almabtrieb von der Schöberlalm am Samstag und dem Erntedankfest am Sonntag. Das Rahmenprogramm bilden Genuss-Stände mit Tennengauer AlmKäse, Speck und Brot und Trachtengruppen aus der Region.

Wenn dir also noch das gewisse Etwas an deiner Tracht fehlt oder du neugierig auf die Federkielstickerei bist, schau unbedingt in der Werkstatt bei Werner Grübl und Herbert Klieber vorbei! Dort könnt ihr auch bereits gefertigte Stücke direkt kaufen. Tipp: die Werkstatt mit dem kleinen Laden ist nicht immer geöffnet, also ruft vorher kurz an damit ihr nicht vor geschlossenen Türen steht: Tel: +43 (0)6463/20333!

Als sehr heimatverbundener und trachtenliebender Mensch bin ich fasziniert von den tollen Produkten der Salzburger Federkeilstickerei in St. Martin am Tennengebirge! Also ich habe mich in die bestickten Haarspangen verliebt und lasse mich bald damit beschenken 🙂

Hier geht`s zur Salzburger Federkielstickerei nach St. Martin am Tennengebirge:

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Lackner, komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch beruflich als Mitarbeiterin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen.

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