Der Tennengau und seine Traditionen hoch zu Ross

Jakobireiter Anton Hager Jun.
Jakobireiter Anton Hager Jun.

Sind Euch bei den traditionellen Veranstaltungen im Tennengau schon einmal die schön geschmückten Pferde aufgefallen? Egal ob bei den vielen Reit- und Schnalzergruppen oder bei einer der Pferdekutschen, die Pferde sind immer festlich geschmückt. Damit das aber alles auch so glänzt, muss nicht nur das Pferd gestriegelt und geputzt werden, sondern auch das Pferdegeschirr. So auch bei uns in St. Jakob am Thurn, wo es traditionell einen Jakobischütz hoch zu Ross gibt.

Der Vorreiter von den Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn reitet bei den kirchlichen Festen im Dorf oder bei besonderen Ausrückungen im Salzburger Land allen voran. Ich dachte mir, da schaue ich mir mal die Vorbereitungen für das diesjährige Fronleichnamsfest mal genauer an und bin auf eine traditionsreiche Geschichte dahinter gestoßen.

Pferdegeschirr hat 6 Teile

Beim Kalchgrubbauer hat es sich Vorreiter Anton Hager jun. am Vortag der diesjährigen Fronleichnamsprozession im Garten gemütlich gemacht. Kein Wunder, da sein Vorhaben – das Pferdegeschirr seiner 6 Jahre alten Noriker-Stute „Flora“ zu polieren – bis zu 3 Stunden dauern kann. „Alles muss glänzen bis morgen! “ meinte er zu mir.

Die 6 Teile vom Geschirr – Sattel, Schweifriemen, Brustgeschirr, Halfter, Zaumzeug und Führleine – sind Großteils aus Messing und müssen mit einem Tuch und einen speziellem Putzmittel schonend gereinigt werden. Dazu braucht das Leder auch eine besondere Pflege. „Wenn ich es nicht poliere, sieht das Messing aus, wie ein alter verrosteter Nagel.“ erzählt mir Anton, nebenbei. Also wird ein Teil nach dem anderem gesäubert, und das mit genauer Sorgfalt und auch noch mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht 🙂

Natürlich ist er auch Stolz darauf, als einziger Jakobischütz hoch zu Ross bei den festlichen Umzügen dabei zu sein. „Es ist mir eine besondere Ehre, da auch mein Vater – der jetzige Hauptmann Anton Hager – schon vor geritten ist. Mittlerweile mache ich es schon das 8. Jahr und ich werde es auch weiterhin gerne noch länger tun„.

Als ich mir das „Brustgeschirr“ genauer angesehen habe, fällt mir die große Tafel in der Mitte auf. Als Sankt Jakoberin erkenne ich natürlich sofort unseren Schlossturm. Ehrlich gesagt ist mir dass besondere Geschirr, das im Sattel angehängt wird, noch nie aufgefallen – Euch?

Jakobireiter haben Tradition

Ehrenhauptmann der Jakobischützen Franz Hager
Ehrenhauptmann der Jakobischützen Franz Hager

Doch warum gibt es bei den Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn einen Vorreiter mit Fahne? Das haben andere Schützenkompanien im Salzburger Land auch nicht! Diese Frage konnte mir Ehrenhauptmann Franz Hager beantworten.

Früher gab es mehrere Jakobireiter, die bei den Ausrückungen immer hoch zu Ross dabei waren. Dabei muss ich Euch erklären, dass „früher“ ab den 15. Jahrhundert bedeutet. Die Jakobischützen wurden im Jahr 1476 als Jakobibrüderschaft zur Gegenwehr der damaligen Türkengefahr gegründet. Als letzte dokumentierte Ausrückung, in der damaligen Zeit, wird der Empfang des Erzbischofs Franz Albert Eder in St. Jakob im Jahr 1881 genannt.

Dank des Einsatzes einiger einflussreicher Personen, kam es am 9. Mai 1926 zur Neugründung der Jakobischützen in der heutigen Form. Seit diesem Jahr sind die Jakobischützen ohne Unterbrechung aktiv und zählen mit Abstand zu den ältesten Brauchtumsvereinen im Land Salzburg. Wie die Jakobireiter damals so aussahen, zeigt ein Bild mit meinem Ur-Opa Johann Seltenhofer (links im Bild).

Wie alt das heutige Pferdegeschirr genau ist, kann leider nicht mehr genau nachvollzogen werden. Jedenfalls stammt es vor der Zeit der Neugründung. Im Jahr 1926 wurden nur Teile ausgetauscht bzw. ergänzt. Im Laufe der Zeit kam es immer wieder einmal vor, dass kein Pferd zur Verfügung war. Daher entstand – so wie es auch sonst überall bekannt ist – der heutige „Fähnrich“, der zu Fuß die Vereinsfahne beim Umzug mitträgt. Seit einigen Jahren wurde aber der „Vorreiter“ wieder belebt und somit sind bei den Jakobischützen zwei Fahnen-Träger immer mit dabei.

Franz Hager erinnert sich zudem gerne zurück und weiß noch genau wie viel Arbeit hinter den Vorbereitungen steckt: „als junger Schinagel musste ich immer das Pferdegeschirr aufwendigst putzen und auch beim Ross nebenher mitgehen – das war damals so.“

Durch meinen Besuch zu den Vorbereitungen habe ich erkannt, wie viel Arbeit hinter einem festlichen geschmückten Pferd steckt. Man muss schon ein großer Pferdefreund sein und sich für die Traditionen in unserem Land interessieren, um diese ehrenamtliche Tätigkeit so selbstverständlich zu erledigen. Zudem muss man das Pferd auch an die außergewöhnliche Situation eines Festumzuges und an die Fahne gewöhnen. Nicht jedes Pferd kann so einfach neben einer Ehrensalve der Schützenkompanie stehen bleiben und verhält sich bei den Tönen der Trachtenmusikkapelle ruhig.

Mein Tipp für Euch: Das nächste Mal wird Flora mit ihrem Pferdegeschirr wieder zum Jubiläumsfest „540 Jahre Jakobischützen“ von 29. bis 31. Juli 2016 herausgeputzt. Seid dabei wenn eine der traditionsreichsten Schützenkompanien des Salzburger Landes ihr Jubiläum feiert. Die Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn freuen sich auf Euren Besuch!

Hier geht`s nach St. Jakob am Thurn:

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