986Prangerstutzenschiessen hat in Salzburg Tradition!

Jakobikirtag Puch
Ehrensalve nach dem Schützentanz

Im Land Salzburg gibt es 108 Schützen- und Gardeformationen! Eine davon sind die historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, die in diesem Jahr 540 Jahre Ihres Bestehens feiern. Zu diesem Anlass werden 42 neue Prangerstutzen in Eigenproduktion hergestellt. Wie diese Kunstwerke in mühevoller Handarbeit erstellt werden, musste ich mir vor Ort einmal genauer ansehen. Schon beeindruckend, wie viel Arbeit dahinter steckt bis ein Jakobischütz einen neuen Stutzen auch zum Schießen verwenden darf!

Prangerstutzen selbstgemacht

Ein „Stutzen“ – nicht zu verwechseln mit ein paar gestrickten Stutzen aus Wolle für die Füße – hat bei den Jakobischützen 12 Kilo und ist 70 Zentimeter lang! Wenn man sich so ein fertiges Kunstwerk mal genauer ansieht, wiederspiegelt es das Wort „Prang“! Dieses soviel bedeutet wie Prunk, Schmuck oder „zur Schau stellen“. Ein wahres Meisterwerk! Die kunstvoll gestalteten Stutzen, werden von Jakobischütz und Maschinenbaumeister Rupert Krispler, sowie Hobby-Tischler Johann Seltenhofer erstellt. Mit sehr viel Liebe ins Detail werden diese besonderen Kunstwerke in St. Jakob und Adnet erschaffen.


Das dunkle Grundgerüst aus Holz besteht aus heimischer Nuss und der Rest aus Edelstahl. Rupert Krispler erklärt dazu: „der Prangerstutzen hat 16 Teile: Rohrmantel, Stahlrohreinsatz, Brandröhrl, Kapselstock (Biston), Schloß, Spannhahn, Funkenschutz, Abzug, Abzugschutzbügel, Schaft, Kolben, Bodenplatte, Armaturbeschläge, Riemenhalterung, Tragriemen und Ladestock! Bei der Erstellung jeden einzelnen Teils muss sorgfältig gearbeitet werden, damit am Ende auch alles zusammenpasst“. Das kann ich mir gut vorstellen, dass man hier sehr genau arbeiten muss. So viele Einzelteile aus zwei verschiedenen Materialien müssen erst einmal richtig zusammen gesetzt werden.


Als Besonderheit ist jeder Stutzen noch zusätzlich mit einer kleinen Jakobusmuschel – der Pilgermuschel, aus hellem Ahornholz bestückt. Die Legende besagt, dass der Schutzpatron der Jakobischützen – der Heilige Jakobus im 15. Jahrhundert im Pilgermantel, mit muschelbesetztem Hut und einem Pilgerstab nach St. Jakob gezogen ist um die Einwohner vor der Türkengefahr zu warnen.

Wissenswertes rund um das Salzburger Schützenwesen

Prangerstutzen Jakobischützen
Jakobischütz Albin

Die heutigen Festschützen haben sich vorwiegend aus den Bürgerwehren entwickelt. Auch die Jakobischützen schlossen sich 1476 wegen der Türkengefahr als Bauernwehr der Jakobisbruderschaft zusammen. Vor etwa 400 Jahren entwickelte sich im Land Salzburg der Brauch, diese entstandenen Schützenverbände auch in die Gestaltung weltlicher und kirchlicher Feiern mit einzubeziehen. Dieser Lärmbrauchtum ist mittlerweile ein Fixpunkt bei den traditionellen Festen. Auch beim Empfang von hohen Gästen, bei Gratulationen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen.

Bei den Jakobischützen werden die Prangerstutzen erstmals 1790 erwähnt. Sie trugen die „Böller-Kanonen“, wie sie zu dieser Zeit um die Rupertusstadt bei kirchlichen und weltlichen Repräsentationen üblich waren.

Schritt für Schritt zum Meisterstück

Aber wie entsteht nun so ein Prangerstutzen? Das vor geschnittene Nussholz wird verleimt, die Rohlinge gefräst und dann von Hand geschliffen und geölt. Das Edelmetall muss parallel dazu gedreht und gefräst werden. Danach wird das Gewinde geschnitten, geschweißt, geschliffen und poliert. Wenn alle Teile fertig sind wird es zusammengesetzt und eingepasst. Allein für die Holzbearbeitung werden pro Stutzen rund 10 Stunden benötigt. Irre, aber auch faszinierend zugleich!

Ohne Kontrolle läuft gar nichts!

Prangerstutzen Jakobischützen
Stutzenkontrolle jährlich vor dem Fronleichnamsfest

Mit Stolz werden die Prangerstutzen von den Tennengauer Schützenkompanien getragen. Jedoch ist auch eine gewisse verantwortungsbewusste und gewissenhafte Handhabung wichtig, um Unfälle auszuschließen. Damit die Böllerstutzen auch benützt werden dürfen, müssen die neu erstellten Stutzen nach Ferlach in Kärnten zum Sicherheitszertifikat gebracht werden. Dort werden sie vor der Erstbenützung beschossen.

 

Dazu werden alle Stutzen der Jakobischützen bei der vom Schützenverband vorgeschrieben, jährlichen „Stutzenkontrolle“ nach einer Checkliste kontrolliert. Jedes Jahr vor dem Fronleichnamsfest treffen sich alle Vereinsmitglieder zur Kontrolle. Hier werden von ausgebildeten Jakobischützen geprüft, ob der Hahn hält und ob das Kapselstockgewinde sowie der Kapselstock (der sogenannte Biston) in Ordnung sind.

Na dann kann ja beim nächsten Kommando des Hauptmannes nichts mehr schief gehen, wenn es wieder heißt: Jakobischützen, habt Acht! | „kehrt euch“ | „Salve fertig“ |“SCHUSS“ | „Kapsel weg“ | „Schultern“ |“kehrt euch“ | „Jakobischützen ruht“ |“Stutzen ab, laden“

Auch wenn es Lärmbrauch genannt wird. Für mich ist eher ein Brauch der Laut sein kann und darf! Ich finde es schön, wenn es bei den vielen Festlichkeiten im Ort geschossen wird! Was wäre ein Fronleichnamsfest ohne Salven oder eine Hochzeit ohne die Schüsse der Schützen!


Die erste Ausrückung mit den neuen Jakobischützen-Stutzen findet beim Jubiläumfest „540 Jahre Jakobischützen“ von 29. bis 31. Juli 2016 statt. Ich bin schon gespannt wie der Ochsenbraten aus St. Jakob schmecken wird,  welche Stimmung die Musikgruppen machen, wie Bunt die Festmesse mit den vielen Trachten sein wird und vor allem wie viele Stunde ich dieses Wochenende wieder einmal in einen Bierzelt verbringen werde 🙂

Mein Tipp zum Jubiläumsfest: für Gruppen ab 5 Personen gibt es ein Spezialangebot am Freitag, 29. Juli um 22,- Euro (inkl. Eintritt zu „Die Rainer“, 1 Liter Bier und 1 Ochsenbraten)!!! Anmeldung unter jakobischuetzen@gmx.at

Hier geht`s nach St. Jakob am Thurn:

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Lackner, komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch beruflich als Mitarbeiterin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen.

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