Perchtentreiben im Tennengau

Gast mit Waldgeist beim Perchtenlauf Golling

Im Salzburger Land sind rund um die Weihnachtszeit in den Raunächten traditionell schöne und schiache Perchten unterwegs. Bei uns im Tennengau findet nicht nur das bekannte Perchtenspiel Sommer und Winter regelmäßig am 5. Jänner in Golling statt, sondern bereits zum 18. Mal der Perchtenlauf von den Barmstoana Perchten am 6. Jänner im Ortsteil Torren. Auch wenn der Winter erst seit Kurzen bei uns Einzug hält, wird bei den Perchtenläufen symbolisch der Winter ausgetrieben und den Besuchern Glück uns Segen für das neue Jahr ausgesprochen.

Ich war erstmals am diesjährigen Dreikönigstag mit dabei und habe versucht die finsteren aber auch teils lustigen Gestalten mit der Kamera bestmöglich einzufangen. Das Moos-Mandl hatte auch kurz für ein Bild mit mir Zeit 🙂

Perchtenlauf Golling mit den Heiligen 3 KönigenGlück & Segen für das neue Jahr

Um 15.00 Uhr ging es bei der Bachteikapelle solangsam mit dem Segen der Heiligen Drei Königen los, die mich besonders mit ihren Holzmasken begeistert haben. Danach begannen die Perchten mit dem Winteraustreiben und liefen durch die hunderten von Zusehern – darunter auch sehr viele Kinder mit leuchtenden Augen. Die finsteren Gestalten nahmen sich sehr viel Zeit (nicht nur) für die kleinen Besucher, machten Fotos mit Ihnen, streichelten sie über den Kopf und benutzen ihren Rossschwanz nur selten für ein paar leichte Schläge.

Wie Moorgeister schliechen die Perchten und ihre schaurigen Begleiter im Nebel durch das Geäst und dem Bach. Das Läuten der vielen Perchten-Schellen war schon von Weiten zu hören und klang für mich wie Musik in meinen Ohren. Jedes Jahr wieder freue ich mich, wenn die Perchten und auch Krampusgruppen gesammelt mit ihren Schellen läuten. Damit wird eine ganz besondere Atmosphere und auch etwas Nervenkitzel geschaffen. Aber fürchten musste man sich wirklich nicht. Ganz im Gegenteil. Es war wunderschön die verschiedenen Figuren von Nah und Fern zu betrachten. Auch wenn wir dieses Mal mit der Babytrage unterwegs waren, wäre ein Besuch mit einem (geländetauglichen) Kinderwagen kein Problem gewesen. Solange man sich so hinstellte, damit die Kleinen auch etwas sahen.

Krampus oder Percht – gibt es da Unterschiede?

Percht mit großem Maul

Traditionellermaßen eigentlich schon! Während die Krampusse um den Krampustag (5.12) ihr Unwesen treiben und meist vom Heiligen Nikolaus und den Engerl begleitet werden, sind die Perchten in den Raunächten (21., 24. und 31.12, 5.1) bei uns im im Alpenland  unterwegs. Zudem entdeckt man bei den Perchtenläufen auch weitere Figuren, wie Hexen, den Tod, dem Stoa- oder Moosmandl. Der Krampus macht auch von schmerzhaften Rutenschlägen Gebrauch, wo der Percht bloß mit Roßschweif und Schellen den Winter und das Böse vertreiben und Fruchtbarkeit, Gesundheit sowie Glück bringen will.

Auch hat der Krampus maximal 2 Hörner und der Percht mehrere auf der Holzmaske angebracht. Heutzutage kommt es aber immer öfters zu Vermischungen und es ist nicht mehr klar zu erkennen um welche Gruppe es sich handelt. Beim Perchtenlauf in Golling konnte man aber klare Abgrenzungen erkennen.

Perchtenlauf rund ums Feuer

Nach dem Treiben im Wald ging es auf die Wiese weiter, wo zwei große Holzhaufen angezündet worden sind. Allen voran zogen die Heiligen Drei Könige mit den geführten Lamas in den Besucherkreis ein, nacheinander gefolgt von den sechs Perchtengruppen: die Alt Gnigler Krampus Perchten Pass, Nockstoa Perchten, Flachgauer Moorperchten, Tennengauer Raunachtsperchten, Fuchsgrab´n Pass und die Barmstoana Perchten. Jede Gruppe hatte seine besonderen Begleiter dabei. Unteranderen zu sehen waren neben den unterschiedlichen Perchtenmasken, diverse Hexen, der Tod, Zapfenmandeln und Frau Perchta dabei.

Begleitet wurde das Ganze von den stimmungsvollen Klänge der Didgeridoospieler und der Alphornbläsern. Lautstark unterstützt wurde das finstere Treiben von den Kaltenhausener Prangerstutzenschützen, den Apperschnalzer aus Wals und den Griesskoglerschnalzer aus Abtenau. Bevor eine neue Perchtengruppe kam, gab es einen Salutschuss der Schützen. Hinter dem Hügel, wo die Mitwirkenden standen blickte die kleine Nikolauskirche hervor.

Einen besonders guten Blick auf das Geschehen hatte man von einen der Hügel aus. Kuschlig warm wurde es direkt neben den Lagerfeuern, wo man aber auch den ein oder anderen Schlag von den Perchten-Rossschwänzen oder vom Hexenbesen abbekommen konnte. Zwei Perchten machten sich auch ein Jux und tauschten die Kinder am Zuschauerrand aus. Der eine packte sich ein Kind von links und stellte es in die Kreismitte, der andere Percht ein Kind von der rechten Seite und stellt es wiederum in die Mitte. Dort tauschten sie die Kinder aus und gaben es an die andere falsche Stelle wieder zurück. Das war lustig anzusehn. Und die letzte Perchtengruppe hatte zudem noch einen Ziehharmonikaspieler mit dabei und tanzten zur Musik um das Feuer.

Bei meiner Überlegung am Vortag ob ich mir den Perchtenlauf auch einmal ansehen soll, bin ich auf das Video aus dem Jahr 2014 gestoßen. Hier bekommt ihr einen guten Einblick vom gestrieben Perchtentreiben in Golling.

Der Perchtenlauf in Golling war ein einmaliges Erlebnis, welches ich Euch nur empfehlen kann. Also den Perchtenlauf für nächstes Jahr am Dreikönigstag schon einmal vormerken und dabei sein!

Und noch ein Kulinarik-Tipp! Wir hatten vor dem Perchtenlauf ein wundervolles Mittagessen im Gasthof Abfalter (Reservierung empfohlen!). Der Familienbetrieb von Elisabeth und Manfred Moser liegt in der Nähe vom Gollinger Wasserfall und bietet Räumlichkeiten für jeden Anlass! Auf der Speisekarte findet Ihr Spezialitäten für Feinschmecker und Liebhaber der traditionellen, regionalen und saisonellen Küche! Besonders toll fand ich das Kindergericht „Flip“ (gedünstetes Gemüse, Kartoffel und Spiegelei).

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Lackner, komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch beruflich als Mitarbeiterin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Profilbild mit Gravatar hinzufügen.