Zu Besuch bei Bildhauer Martin Roider in Bad Vigaun

Der Advent ist eine besonders stille Zeit im Salzburger Land, man kommt zur Ruhe und genießt die Zeit mit seinen Liebsten. Nicht so wenn die schaurigen Begleiter vom Nikolaus – die Krampusse und in den Rauhnächten die Perchten ihr Unwesen im Tennengau treiben. Dann kann es so richtig laut, schmerzhaft und gruselig werden. Einige haben sogar Angst zu dieser Zeit das Haus zu verlassen – ich nicht!

Ich bin fasziniert von den Krampussen und verfolge seit Jahren auch die Entwicklung dieser Kreaturen. Als Kind waren die „Krampei“ eher dick-flauschig mit großen eckigen und auch mal bunten Holzmasken. Heutzutage werden die Holzmasken immer menschenähnlicher und auch die Fellkostüme sind gerne hauteng. Aber wer Euch dazu sicher mehr erzählen kann, ist jemand der solche Masken für Krampus und Co. selber herstellt. Also habe ich mich auf die Suche nach einem Maskenschnitzer im Tennengau gemacht und wurde in Bad Vigaun fündig. Hier lebt Martin Roider, der jüngste Bildhauermeister Österreichs und Maskenschnitzer aus Leidenschaft.

Bildhauer aus Leidenschaft

Martin Roider Krampusmasken | Bad Vigaun | Tennengau | Salzburg
Rote Krampusmaske mit 9 Jahren geschnitzt

In einem alten Bauernhof im ehemaligen Stallgebäude hat sich Martin seine kleine Werkstatt eingerichtet. Hier schnitzt er Krampus- und Perchtenmasken aus Holz, modelliert Masken aus Ton und fertigt dann einen Kunststoff-Guss an und wirkt das ganze Jahr über kreativ mit Holz, Stein und Metall. Schon wenn man den Raum betritt, muss man sich seine Kunstwerke auf sich wirken lassen. Von der Wand hängen verschiedene Holzmasken-Modelle, wobei eine kleine Rote heraus sticht. „Das war meine allererste Maske die ich mit 9 Jahren gemacht habe und ist unverkäuflich“ meint Martin. „Meine Eltern wollten mir damals keine teure Krampusmaske kaufen, da hat mir mein Opa seinen alten Hackstock aus Fichtenholz gegeben. Davon habe ich mir meine erst Maske mit dem Stemmeisen geschnitzt.“ Die nächsten schnitzte er in der Hauptschule, wobei bald klar war, dass er die Fachschule für Bildhauer in Hallein besuchen wird.

Dieses Jahr machte er seinen Bildhauermeister für Holz, Stein und Metall und ist der jüngste Meister in seinem Fach in Österreich. Er machte seine Leidenschaft zum Beruf und schnitzt oder modelliert nicht nur Masken für die Adventszeit. Als ich ihn fragte, was er unter dem Jahr so macht sagte er mit einem Lächeln „Im Normalfall Masken schnitzen! Aber ich möchte schon auch andere Sachen machen. So wie der Löwe für den Zoo Salzburg, das war ein tolles Projekt!

Vom Holzblock zur Krampusmaske

Alles beginnt mit einem Stück Holz. Genauer gesagt mit einem Stück vom Weyhmouthkiefer aus Oberösterreich. „Dieses weiche Holz ist ideal zum Schnitzen – genauso wie das Zirbenholz, dass aber leider etwas teurer und schwerer zu bekommen ist. Die Jahresringe sollten eine gleichmäßige Härte aufweisen, um es gut bearbeiten zu können“, meint Martin. Da habe ich schon gleich etwas gelernt – Holz ist eben nicht gleich Holz!

Martin Roider Krampusmasken | Bad Vigaun | Tennengau | Salzburg
Übung macht den Meister – viel Übung!

Aber nun los! Mit der Motorsäge schneidet Martin ein rund 10 Kilo schweren Holzblock ab, zeichnet ihn an und spannt ihn an einen Holzpfosten ein. Das war nun meine Chance auch einmal drauf hauen zu dürfen, ohne etwas kaputt zu machen. Und das ist gar nicht so einfach. Auch wenn es ein „weiches“ Holz ist, braucht man ganz schön viel Kraft dazu.

Martin schneidet mit der Motorsäge die groben Kanten ab. Das geht ruck zuck und man erkennt schon eine grobe Form eines Kopfes.

Dazwischen wird immer wieder angezeichnet. Der Bleistift meist Griffbereit hinter dem Ohr. Das wichtigste dabei – sein Skizzenbuch. Jede Maske wird individuell nach Wunsch des Auftraggebers erstellt. „Meistens haben sie schon ein Foto dabei, wie die Maske grob aussehen soll. Es wird aber jede Maske vorher skizziert. Kleine Details machen schon eine ganz andere Maske aus.“ Dabei fällt mir sein etwas geschälten Holzschlegel in der Ecke auf. „Mit dem habe ich jetzt vier Jahre gearbeitet, nun ist mal ein Neuer dran„.

Das sieht ja alles ganz schön zeitaufwendig aus. „Ich brauche rund 16 Stunden für eine fertige Maske, je nachdem wie aufwendig sie bestellt wurde. Das Schwierigste beim Masken schnitzen ist, dass die Proportionen stimmen und der Charakter und Gesichtsausdruck spürbar wird und so das Gesicht lebendig wirkt„, so Martin. Einfach faszinierend, wie aus einem Stück Holz, so eine ausdrucksstarke Maske entsteht.

Aber nicht nur aus Holz. Martin gießt auch auf Wunsch die Masken aus Kunststoff. Der Vorteil. „Jeder Auftraggeber bekommt einen Gipsabdruck von seinem Gesicht und die Maske passt sich dann an wie eine zweite Haut„, erklärt mir Martin. Da muss man schon genauer hinsehen, damit man erkennt ob die Maske aus Kunststoff oder Holz ist. Und bequem sind sie auch 🙂

Krampusmasken schnitzen: Der Feinschliff machts

Am Ende wird bei der Holzmaske noch der Hinterkopf ausgeschnitzt, damit man sie gut aufsetzen kann. Danach geht es an Farbe und Pinsel: „Meine Masken werden alle mit Acrylfarben von mir selbst bemalt. Und wenn die Hörner mitgebracht werden, diese auch gleich montiert“.  

In diesem Jahr werden die „Woidbochteifen Kuchl“, die „Seeteufeln Kuchl“, die „Göll Pass aus Kuchl“ und die „Tennengauer Krampusse“ mit seinen Masken auftreten. Dabei verrät er mir: „Wenn ich auf einen Krampuslauf bin, erkenne ich sofort ob das eine Maske von mir ist. Auch andere Schnitzer erkenne ich – jeder hat seine Handschrift.“

Ein Krampus ist ein Krampus – kein Percht!

Martin Roider Krampusmasken | Bad Vigaun | Tennengau | Salzburg
Perchtenmaske von Martin Roider

Genau! Und das verstehen leider nicht alle. Auch Martin ist es wichtig, „dass der Krampus mit den Perchten nicht verwechselt wird und dass natürliche und brauchtums-typische Materialien auf meinen Masken verarbeitet werden. Ein Krampus hat für mich ein dunkles, fast schwarzes Gesicht, eine raushängende, rote und lange Zunge, 2 Hörner vom Ziegenbock und spitze Ohren. Der Krampus ist der Begleiter vom Nikolaus Anfang Dezember und eigentlich nicht schon Wochen zuvor unterwegs. Die Perchten mit ihren vielen Hörnern erscheinen in den Rauhnächten“. Er zeigt mir eine Perchtenmaske. Die hat viel mehr Hörner als ein Krampus.

Vom Kuschelkrampus zum Teufel

Der Krampusbrauch entwickelt sich und immer mehr Gruppen – meist ein paar junge Burschen – beschließen einen „Pass“ zu machen. Jeder Ort hat nun mehrere Krampuspassen. Und es hat nicht jeder Krampus seine eigene Maske – nein. Der Trend geht dort hin, dass eine Pass als Einheit auftritt und jeder einen ähnlichen aufeinander abgestimmten Kopf hat. Früher, als Kind sahen die Krampusse noch etwas anders und sehr unterschiedlich aus, irgendwie eckiger. Unter anderem meint Martin, „dass die Krampusmaskenschnitzer immer professioneller werden und die Köpfe mehr und mehr perfektionieren werden. Es wird auch immer mehr Schnittwunden mit Blut und dergleichen gewünscht, wobei das nichts mit eine Krampus zu tun hat und schon in Richtung Zombie geht“. Mal sehen wohin sich dieser Brauch noch entwickelt.

Traditionelle Krampusläufe im Tennengau

Ich bin begeistert von seinem Handwerk und werde bei den kommenden Krampusläufen darauf achten ob ich die „Roider Masken“ erkenne. Die Göll Pass Kuchl ist zum Beispiel so eine Pass, die in diesem Jahr neue Krampusmasken von Martin Roider machen liesen. So in voller Montur schon ein ganz anderes – schauriges Bild. Fehlt nur noch der Heilige Nikolaus und los geht`s zu den Hausbesuchen und Krampusläufen im Tennengau.

Zum Überblick findet ihr hier alle Krampusläufe im Tennengau. Die Läufe finden traditionell immer am selben Dezembertag oder am ersten Adventwochenende statt. So wie der große Krampuslauf der Igonta Pass in der Altstadt in Hallein. Jährlich am ersten Adventsonntag treffen sich hier um die 600 Krampusse, Hexen und anderen teuflischen Gestalten aus ganz Österreich.

Datum Krampuslauf im Tennengau
25. November St. Koloman Dorfplatz
St. Martin a. Tgb. Ortszentrum
26. November Scheffau Dorfplatz
27. November Hallein Altstadt
2. Dezember Krispl Dorfplatz
Oberalm Dultgelände
3. Dezember Annaberg Ortszentrum
Bad Vigaun Dorfplatz
4. Dezember  Golling Markt
5. Dezember Abtenau Marktplatz
Kuchl Markt
Puch Leitnerstraße
6. Dezember Adnet Dorfplatz
Russbach Dorfplatz
Alle weiteren Adventveranstaltungen, Weihnachtsmärkte und Perchtenläufe im Tennengau findet ihr im aktuellen Tennengauer Adventfolder.
Krampusselfie
Krampusselfie

Krampus und Nikolo warten auf Euch

Also dick einpacken und auf zu den Krampusläufen im Tennengau. Bei Punsch und Würstel könnt ihr Euch dort auch immer gut aufwärmen. Aber nicht zu frech sein. Die Ruten können ganz schön weh tun 🙂 Und wenn ihr ganz lieb fragt, hat ein Krampus vielleicht auch Zeit für ein „Krampusselfie„! Immer wieder eine witzige Situation, wenn man nicht weiß wer sich unter der Maske befindet und dann als Antwort bekommt – gerne Barbara, wie geht`s!

Hier geht`s nach Bad Vigaun:

Barbara
Grias Enk!

Ich heiße Barbara Lackner, komme aus Puch – genauer gesagt aus St. Jakob am Thurn – und ich bin in der Genuss- & ErlebnisRegion Tennengau viel unterwegs. Privat, sowie auch beruflich als Mitarbeiterin im Gästeservice Tennengau. Besonders gerne berichte ich über die zahlreichen Genuss- & ErlebnisFeste, einzigartigen Ausflugsziele und schmackhaften GenussPunkte in der Region. Mir liegt neben dem Tourismus, auch die Volkskultur am Herzen. Als Bauerndirndl, langjähriges Mitglied des Trachtenvereins D`Puachstoana und ehemalige Schützen-Marketenderin der historischen Jakobischützen zu St. Jakob am Thurn, lebe und gestalte ich die traditionellen Bräuche im Salzburger Land mit. Zudem bin ich seit Dezember 2014 Mutter eines Sohnes und viel mit dem Kinderwagen (TFK Joggster III 12´) oder dem Tragetuch in der Region unterwegs. Ich freue mich von meinen Tätigkeiten zu berichten und hoffe, dass Euch meine Geschichten gefallen.

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